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Selbstbestimmt leben mit einer Behinderung

Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) Meppen in der Lingener Str. 30 berät auch bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung.

Zu einem unabhängigen und selbstbestimmten Leben gehört für die meisten erwachsenen Menschen der Umzug in die eigene Wohnung. Das gilt auch für Menschen, die eine Behinderung haben. Wenn sie den Weg in die eigenen vier Wände gehen möchten, hilft EUTB dabei, herauszufinden wie die Person wohnen möchte. Das kann eine eigene Wohnung sein, eine Wohngemeinschaft mit Freunden und Bekannten oder eine Wohngruppe.

Dieser Herausforderung hat sich auch der 21-jährigen Karl Meiners (Name nach Absprache geändert) aus Haselünne gestellt. Aufgrund einer kognitiven Beeinträchtigung ist Meiners bei einigen Dingen des alltäglichen Lebens auf Unterstützung angewiesen. Dennoch möchte er sein Leben unabhängig von seinen Eltern führen. Mit Hilfe der EUTB in Meppen und seiner gesetzlichen Betreuerin Elisabeth Wittenbrink hat er den Schritt in die eigene Wohnung gewagt.  

Wittenbrink, die ehrenamtlich den jungen Mann begleitet und ihm unter anderem bei Behördengängen und Antragsstellungen behilflich ist, hat ihn in seinem Wunsch bestärkt und ihm zu einem Besuch bei der EUTB geraten. Hier hat er mit Hilfe der Beraterinnen herausgefunden, welche unterschiedlichen Wohnmöglichkeiten sich für Menschen mit Behinderungen bieten und wie der Weg dorthin gelingen kann.

„Im Beratungsgespräch stehen die Erwartungen, Wünsche und Unterstützungsbedarfe der Ratsuchenden im Mittelpunkt. Es geht um Fragen wie: Was ist mir wichtig im Leben? Wie möchte ich wohnen? Welche Unterstützung brauche ich dazu? Wir versuchen gemeinsam herausfinden, wo der individuelle Bedarf liegt und welche Schritte erforderlich sind, um diesen Weg zu gehen“, so EUTB-Beraterin Sabine Lampe. „Unsere Aufgabe in der EUTB ist es, die Ratsuchenden zu stärken, damit sie selbstbestimmt entscheiden können“, erklärt EUTB-Beraterin Bernhardine Schiering. Die Beratung finde immer auf Augenhöhe statt. Der Mensch stehe im Mittelpunkt, so Schiering.

In der Beratung hat Karl Meiners sich damit auseinandergesetzt, ob er sich ein Leben in einer eigenen Wohnung oder Wohngemeinschaft zutraut. Dabei war es für ihn wichtig zu erkennen, wieviel und in welchen Bereichen er Unterstützung wünscht und benötigt. Das betrifft unter anderem die Freizeitgestaltung oder das selbstständige Wohnen, aber auch Themen wie das Aufbauen und Pflegen von Freundschaften sowie Mobilität und Gesundheit. Meiners Ziele hat er daraufhin selbst definiert. So möchte er lernen, selbstständig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu seinen Eltern zu fahren, einzukaufen, zu kochen und Wäsche zu waschen. Damit das alles Wirklichkeit werden kann, ist es notwendig eine Wohnung zu finden, einen Mietvertrag abzuschließen und Anträge für Unterstützungsleistungen beim Kostenträger, der Eingliederungshilfe, zu stellen. „Das heißt, es gibt viel zu tun, aber Herr Meiners hat dazu Unterstützung. Diese bekommt er nach wie vor von seiner gesetzlichen Betreuerin Frau Wittenbrink und von uns“, sagt Schiering und ergänzt: „Menschen mit Behinderung haben das Recht zu entscheiden, wo, wie und mit wem sie leben wollen.“ Sie könnten nicht verpflichtet werden, in besonderen Wohnformen zu leben. „Sie haben ferner das Recht auf so viel Unterstützung und Assistenzleistungen, wie sie für ihre Ziele benötigen“, sagt die EUTB-Beraterin.

Nach dem Gespräch bei der EUTB stand für den 21-Jährigen der Umzug in eine eigene Wohnung fest. Es folgten die Wohnungssuche und Antragsstellung beim Kostenträger. Jetzt steht der Umzug in die eigene Wohnung kurz bevor. „Ich bin froh, dass Karl so viel Mut bewiesen hat. Er wird das schaffen“, ist sich Wittenbrink sicher. Für die EUTB-Beratung ist die gesetzliche Betreuerin dankbar. „Karl hat hier noch einmal Bestätigung für den Umzug erfahren und viele Hilfen erhalten, damit sich sein Wunsch nach einer eigenen Wohnung verwirklichen lässt. Mir selbst war es vor allem wichtig, noch einmal eine zweite und unabhängige Meinung einzuholen und Unterstützung beim Ausfüllen aller notwendigen Anträge zu haben“, sagt Wittenbrink.

„Nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch deren gesetzliche Betreuer oder deren Angehörige können sich Hilfe und Unterstützung in der EUTB holen. Dabei stehen immer die Anliegen und Wünsche der Menschen mit Behinderung im Mittelpunkt“, so Lampe. Nichts werde über ihre Köpfe hinweg entschieden. Die Aufgabe der EUTB Beratung sei es, dort zu unterstützen, wo Fragen oder Unklarheiten auftreten. „Dazu gehören zum Beispiel die Bereiche Wohnen, Freizeit, Pflege, Assistenz, persönliches Budget und Arbeit. Wir beraten somit zu allen Bereichen der sozialen und beruflichen Teilhabe“, sagt Lampe.

Für eine persönliche Beratung steht die EUTB Menschen mit Behinderungen sowie deren Angehörigen und Betreuern in der Lingener Straße 30 (SoVD-Geschäftsstelle) in Meppen gerne zur Verfügung. Die EUTB ist am Montag und Mittwoch von 9 bis 12 Uhr sowie am Dienstag und Donnerstag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Termine können nach vorheriger Absprache auch außerhalb der Geschäftszeiten vereinbart werden. Hausbesuche sind möglich. Die EUTB in Meppen ist unter der Telefonnummer 05931/4968396 und unter der E-Maiadresse sabine.lampe@eutb-emsland.de erreichbar. EUTB-Beratungsstellen gibt es auch in Lingen (Georgstr. 24, Telefon: 0591/80743043) und Aschendorf (Von-Galen-Str. 19, Telefon: 04962/914119).